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Working Evolutions GmbH

Gesunde Kranke

Für die Working Evolutions ist New Work Inhalt und Form.
Angelehnt an "Reinventing Organizations" arbeiten wir nach einer Verfassung der Selbstorganisation, beschreiben unsere Erfahrungen im Blog und entwickeln Hilfestellungen für andere wertebasierte Organisationen, immer auch mit dem ländlichen Raum im Fokus. Wir bieten eine Plattform, die unterschiedliche Geschichten von gesunden Kranken aufbereitet, und sie Unternehmen zur Verfügung stellt. Hier klären wir auf und geben Antworten auf viele Tabufragen. Daraus leiten sich viele kleine und unaufregende Möglichkeiten ab, chronisch Kranken die Teilnahme im Arbeitsleben zu ermöglichen bzw. zu erleichtern.

Wir sind ein sehr kleines Team aus sechs Personen. Irgendwann ist uns aufgefallen, dass zwei von uns mit chronischer Krankheit leben und arbeiten, und dass das bei unserer Arbeitsweise überhaupt kein Problem darstellt: Monia ist offiziell nach einer Hirn-OP mit anschließender Epilepsie arbeitsunfähig, beweist aber bereits seit fast 15 Jahren, dass das bei anderen Arbeitsansätzen keine Relevanz hat. Juliane ist bi-polar und hatte in unserem Arbeitskontext, den sie sich frei gestalten kann, zum ersten Mal in einem Jahr keinen gesundheitsbedingten Ausfall.

Wir haben unsere Geschichten aufbereitet und betrachtet. Wenn auch unsere Symptome und Krankheitsbilder sehr unterschiedlich sind, gibt es große Gemeinsamkeiten: Wir haben eine lange Phase der Scham überstanden, die die eigentliche Arbeitsunfähigkeit darstellte. Dann haben wir sehr viel über uns gelernt, was uns stärkt und was uns schwächt. Nach und nach haben wir die Krankheit in unser Leben und unseren Arbeitsalltag integriert, so dass sie nun einfach zu uns gehört, mit all' ihren Vor- und Nachteilen. Dann haben wir uns einen Arbeitskontext gesucht, der uns die Freiheit gibt, gut auf uns selbst zu achten. Lachend haben wir festgestellt, dass wir „gesund krank“ sind und uns nach und nach immer mehr mit diesem Begriff, der als Witz begann, identifiziert.

Über unseren Blog haben wir einen kleinen Aufruf und die Suche nach anderen gesunden Kranken gestartet und sofort ein Dutzend Antworten von Menschen erhalten, die ebenfalls bereit sind, ihre Geschichte zu teilen. Natürlich möchten wir damit kranken Menschen, die gerne arbeiten, Mut machen und einen Möglichkeitsrahmen zur Verfügung stellen. Was uns jedoch wirklich bewegt, ist organisationaler Natur: Laut Ärzteblatt sind mehr als die Hälfte der Deutschen von einer chronischen Krankheit betroffen, was sie oftmals aus dem Arbeitsleben ausschließt. Fachliche Expertise wird jedoch nur selten von Krankheit eingeschränkt. Es sind die Arbeitsweisen, die für alle ungesund sind. Daher sind wir sicher: Nicht nur Menschen können aus Krankheit lernen, sondern auch Organisationen. Denn an den Stellen, an denen wir nicht mehr können, verlieren alle ihre Kraft – gesunde Kranke sind Seismografen für gesundes Arbeiten.

Informationen zum Projekt

  • Beschreibt in 2-3 Sätzen die Initiative mit der Ihr Euch bewerbt.

    Gesunde Kranke sind Menschen, die laut Pathogenese eine Krankheit haben, sich aber ein so gutes (Arbeits-)Leben gestaltet haben, dass sie laut Salutogenese gesund sind. Von den vielen Lösungen, die sie für sich gefunden haben, können Organisationen viel lernen. Gesunde Kranke zeigen Möglichkeiten auf, wie Organisationen nicht auf die fachliche Expertise von chronisch kranken Menschen verzichten müssen. Sie sind jedoch vor allem ein wertvolles Diagnostikinstrument für gesundes Arbeiten für alle.

  • Was ist neu an dem Konzept? Wie ist der Einfluss auf die verschiedenen Bereiche der Arbeitswelt?

    Das Besondere an den gesunden Kranken ist, dass Krankheit nicht als Problem, sondern als Ressource für Organisationen betrachtet wird. Obwohl das Bewusstsein wächst, dass viele Krankheiten arbeitsbedingte Aspekte haben, werden diese doch nicht für die Entwicklung von gesunden Organisationen genutzt. Dort, wo kranke Menschen auf Augenhöhe so mitarbeiten können, dass ihre Krankheit nicht relevant ist, können alle Menschen gut und gesund arbeiten. Das Thema "Krankheit & Arbeiten" hat jedoch auch individuelle Aspekte, für die Betroffenen selbst sowie auch für Teammitglieder, die vieles auffangen müssen, weshalb beispielsweise Burnout in Teams sehr ansteckend ist. Nur über eine enge Verzahnung aus Krankheit und Arbeitsweise können echte Lösungen zum wachsenden (Problem-)Thema Krankheit entstehen.

  • Kann das Konzept als Vorbild dienen? Wie würde das Konzept als Blaupause für andere Unternehmen aussehen?

    Eine Plattform, die unterschiedliche Geschichten von gesunden Kranken aufbereitet, steht zunächst allen Unternehmen zur Verfügung. Hier gibt es Antworten auf viele Tabufragen, vor allem aber wird die Bandbreite an Dingen sichtbar, die zum Thema Krankheit aus Sicht der Betroffenen überhaupt relevant sind. Hieraus wird ersichtlich, dass es viele sehr kleine und unaufregende Möglichkeiten gibt, chronisch Kranken die Teilnahme zu ermöglichen bzw. zu erleichtern. Innerhalb der Unternehmen selbst steht das Konzept für eine andere Form von Lernen aus Krankheit. Mit den chronisch Kranken, die im Unternehmen arbeiten, können die Bereiche mit den höchsten Kraftverlusten identifiziert werden und die Entwicklung zu gesundem Arbeiten für alle kann unternehmensspezifisch vorangetrieben werden.

  • Warum sollte das Konzept mit dem NEW WORK AWARD ausgezeichnet werden? Was macht es einzigartig?

    Obwohl es so viele chronisch kranke Menschen im Arbeitsleben gibt und alle Unternehmen das Thema Gesundheit/Krankheit als schwerwiegendes Problem beschreiben, wird es bisher nicht mit der Organisationsentwicklung und New Work Ansätzen verzahnt. Noch immer ist das Thema Krankheit ein Tabu und kranke Menschen werden am Rand der Unternehmen geparkt und durch BEM-Prozesse geschleust. Chronisch kranke Menschen sind jedoch in den wenigsten Fällen in ihrer fachlichen Arbeitsfähigkeit eingeschränkt. Über neue Arbeitsweisen können sie ein gutes Arbeitsleben führen und dabei noch einen wichtigen Beitrag zur Organisationsentwicklung leisten. Bisher verschweigen die meisten Menschen ihre Erkrankung, aus Angst vor Entlassung oder Entmündigung. Es ist an der Zeit, ihren Stimmen ein Forum zu geben.

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