NEW WORK Public Institutions
Zur Übersichtsseite NEW WORK Public Institutions

Industrie- und Handelskammer Fulda

#IHKammerMachen: Mitarbeitende werden zu Mitgestaltenden

Industrie- und Handelskammern werden oftmals als bürokratische, wirtschaftsbasisferne, sehr hierarchische und wenig innovative Institutionen wahrgenommen. Im konservativen Fulda war dies nicht anders, auch wenn die Akzeptanz innerhalb der Mitgliedschaft insgesamt relativ hoch war. 2020 zeigte Corona, dass unsere IHK nicht mit den Arbeitsweisen der Vergangenheit die Zukunft gestalten kann. Im April startete dann ein neuer Hauptgeschäftsführer, der stark von New Work geprägt war. In strukturierten Gesprächen mit allen Kolleg:innen zeigte sich, dass sich fast zwei Drittel der Belegschaft abteilungs- und hierarchieübergreifendes Arbeiten wünschte. Ebenso sahen sie Defizite bei der Digitalisierung, beim wertschätzenden Umgang sowie in der internen und externen Kommunikation. Ab diesem Zeitpunkt haben wir uns auf den Weg zu einer new workigeren Organisation gemacht, der Höhen und Tiefen hatte und hat und der noch längst nicht zu Ende ist. Grundprinzipien dieses Wandels sind Partizipation, Transparenz, Dialog und Diversität – nach innen und außen. In einem Teamtag haben wir gemeinsam darüber diskutiert, wie unsere IHK aussehen könnte, wenn man sie auf der grünen Wiese neu aufbauen könnte. Seitdem arbeiten abteilungs- und hierarchieübergreifende Teams an den Zukunftsthemen unserer Organisation. Erste Kompetenzfelder wie die Kommunikation arbeiten vollständig selbstorganisiert, was nach außen durch Mitmachaktionen während Corona (www.ihk-fulda.de/chancennutzer), einem für IHKs sehr weitreichenden Transparenz- und Mitmachportal (www.ihk-fulda.de/mitmachen) und eine optisch und inhaltlich völlig neu gestaltete Kammerzeitschrift sichtbar wird. Die Videocasts, Bilder und Inhalte werden vollständig vom Team konzipiert und produziert. Auch die interne Kommunikation hat sich gewandelt – ob regelmäßige, direkte und transparente Kommunikation vom Hauptgeschäftsführer, interne Newsletter, Slack oder Duzkultur für alle, die sich damit wohlfühlen. Zunehmend interessiert sich auch die Öffentlichkeit für den Wandel in der IHK, was Einladungen auf Podien und in regionale Podcasts (z.B. https://thomas-vogler.com/podcasts/weitblicker-im-dialog-ihk-und-new-work), Berichterstattung in den Medien (z.B. www.lokalo24.de/lokales/fulda/es-tut-sich-was-bei-der-ihk-fulda-91111451.html; www.osthessen-zeitung.de/einzelansicht/news/2022/januar/fit-fuer-die-zukunft-michael-konow-ueber-new-work-bei-der-ihk.html) und Feedback von bislang kammerfernen Mitgliedern zeigt.

Informationen zum Projekt

  • Beschreibe in 2-3 Sätze die Initiative mit der Du Dich bewirbst.

    Wir haben uns in der bislang sehr hierarchischen und traditionellen IHK Fulda auf den Weg zu einem new workigeren Arbeiten gemacht. Dazu gehören vor allem eine wertebasierte und vernetztere Arbeits- und Führungskultur und das Entfesseln der zuvor schlummernden kreativen Potenziale der Kolleg:innen. Grundprinzipien sind dabei Transparenz, Partizipation, Dialog und Diversität. Mittlerweile haben wir nach innen und außen erste Erfolge – ob kreative Mitmachprojekte für Unternehmen, eine völlig gewandelte Kommunikation oder Arbeiten in abteilungsübergreifenden Clustern an unseren Zukunftsthemen.

  • Was ist neu an dem Konzept? Wie ist der Einfluss auf die verschiedenen Bereiche der Arbeitskultur?

    Ungewöhnlich ist mit der IHK Fulda vor allem die Institution, in der der Wandel stattfindet. Bislang haben starre Hierarchien und klassische Arbeitsweisen zwar zu Berechenbarkeit und Sicherheit geführt, neue Wege und Themen blieben aber meistens auf der Strecke. Mittlerweile probieren die Kolleg:innen Vieles aus, arbeiten freier und sind stolz auf die Ergebnisse. Dabei spielt keine Rolle, ob eine Idee oder Meinung vom Auszubildenden oder einer Führungskraft kommt. Wertschätzung, Offenheit und transparentere Kommunikation werden nun von den meisten Kolleg:innen gelebt.

  • Kann das Konzept als Vorbild dienen? Wie würde das Konzept als Blaupause für andere Unternehmen aussehen?

    Deutschlandweit gibt es 79 IHKs, die allesamt vor denselben Herausforderungen stehen. Nach außen müssen sie moderne Leistungen bieten und neue Wege gehen, um für ihre Mitglieder relevant zu bleiben. Dies gelingt aber nur, wenn die Potenziale der Kolleg:innen genutzt und aktiviert werden. Auch achten potenzielle Bewerber:innen verstärkt auf die Kultur und das Image der Organisation. Der Weg, auf Transparenz, Partizipation, Dialog und Diversität zu setzen und gleichzeitig ergebnisoffen zu bleiben, dürfte – sofern es die Führung aktiv fördert – in jeder öffentlichen Institution funktionieren.

  • Warum sollte das Konzept mit dem NEW WORK AWARD ausgezeichnet werden? Was macht es einzigartig?

    Sicher gibt es viele öffentliche Institutionen, die durch externe Begleitung Change-Prozesse vorantreiben. In unserer IHK kommt der Wandel jedoch durch und von den Kolleg:innen, was ihn zwar langsamer, aber nachhaltiger macht. Zunehmend tritt unsere IHK so authentisch, modern und ungewöhnlich auf, was Mitglieder und die Öffentlichkeit verstärkt wahrnehmen. Der NEW WORK AWARD in der Kategorie „Pioneers in Public Institutions“ würde uns nach innen und außen zusätzlich motivieren, weiterzumachen und nicht aufzugeben, wenn es einmal zu kleineren und größeren Rückschlägen kommt.

  • Welche gesellschaftliche, ökologische oder wirtschaftliche Wirkung entfaltet das Konzept im Unternehmen oder nach Außen? (Z.B. ermöglicht das Konzept mehr Autonomie, Kooperation, Nachhaltigkeit, Demokratie, Diversität und/oder Gemeinschaftssinn?)

    IHKs haben einen gesetzlichen, aber äußerst zeitgemäßen Purpose. Sie müssen die Gesamtverantwortung der gewerblichen Wirtschaft wahrnehmen. Wie sie das aber tun, bleibt ihnen überlassen. Unser Weg, auf Transparenz, Partizipation, Dialog und Diversität zu setzen und die Kolleg:innen in ihrer Arbeit zu stärken, statt sie in Hierarchien zu drücken, setzt Potenziale frei und fördert die Identifikation. Seit zwei Jahren bespielen wir Nachhaltigkeit und New Work regelmäßig in unseren Veranstaltungen und auf allen Kommunikationskanälen, was wichtige Impulse in einer konservativen Region setzt.