Georg Gasteiger

Mesnerhof-C Tirol – Best New Work Retreat in the Alps, est. 1614

Beschreibung

Neues Arbeiten in der Stadt - das kennt man. Aber wie sieht es aus, wenn es New Work Communities aufs Land zieht, zB in die Berge? Die Antwort zeigt sich heute in einem 400 Jahre alten Bauernhof-Ensemble, das sich nach Sanierung in kürzester Zeit zum angesagten New Work Retreat in den Alpen etabliert hat. Der Bauernsohn, Georg Gasteiger, kämpft seit 15 Jahren für das Thema „Innovation & Land“. Er hat das vor dem Verfall stehende Gebäude als Prototyp einer neuen Arbeitswelt im touristischen Kontext entwickelt. Der Mesnerhof-C gilt in Österreich als Leuchtturmprojekt für Tourismusinnovationen.

INFORMATION ZUM PROJEKT

  • Wie kam es zu dem Konzept? Was war die Motivation dahinter?

    Wer sich an die Sanierung eines 400 Jahre alten Bergbauernhofs - noch dazu mit einem New Work Ansatz - heranwagt, den treibt geradezu ein Bündel an Motivationen, die hier nur angerissen werden können, nämlich 1. die Rettung alpiner Baukultur (die historischen Mesnerhof-Gebäude standen vor dem Abriss); 2. das Setzen unkonventioneller Konjunkturbelebungsmaßnahmen in einem von Abwanderung bedrohten Bergdorfes; 3. der Versuch, Erfordernisse neuen Arbeitens mit touristischer Nutzung zu verbinden, indem 4. Raum-& Serviceangebote innovativ und authentisch kombiniert werden und letztendlich 5. die Lieferung eines weiteren Befundes, wonach für die Emergenz des (nachhaltig) Neuen in bestimmten, reflexiven Innovationsphasen der Gang in die Natur wertsteigernd wirkt.

  • Beschreibt ausführlicher in euren eigenen Worten die Initiative/das Projekt/das Konzept, mit dem ihr euch bewerbt.

    Urbane New Worker wohnen in Altbauwohnungen und arbeiten in aufgelassenen Betriebshallen, bevorzugen also Gebäude mit Produktions-Geschichte(n). Und das zentrale Momentum ihrer Schaffenskraft: sie tun das gemeinschaftlich, in communities, teilen Raum und Wissen. Dies ist nur eine der Beobachtungen, die den Initiator dazu brachten, einen 400 Jahre alten, leerstehenden Bauernhof zu einem New Work Retreat in den Bergen umzubauen. In zwei Sanierungsschritten, größtenteils privat finanziert, bietet sich heute im ehemaligen Wontrakt der Bauern und im ehemaligen Heustadl ein einzigartige Raum-/Servicekombination für bis zu 37 Personen.

  • Welche gesellschaftliche oder wirtschaftliche Wirkung entfaltet das Konzept im Unternehmen oder nach Außen?

    Steinberg am Rofan zählt mit seinen knapp 300 Einwohnern zu den vergessenen Dörfern in Tirol. Obwohl unweit der Tourismushochburgen Tegernsee/Achensee/Zillertal gelegen, lag die Entwicklung in Steinberg weit dahinter, noch dazu mit sinkender Tendenz. Seit Eröffnung des Mesnerhof-Camps im Jahr 2017 zeigen die Nächtigungstatistiken Monat für Monat nach oben. Paradoxerweise ist dies ausgerechnet mit einem Tourismusangebot gelungen, das sich nicht nur dem New Work Thema verschrieben hat, sondern im Unterschied zum allgegenwärtigen Individualisierungsdrang Wellness, Selfness etc. das "Gemeinschaftsgefühl auf den Bergen" in den Vordergrund rückt (#alpinetogetherness).

  • Was ist neu an dem Konzept? Wie ist der Einfluss auf die verschiedenen Bereiche des Unternehmens?

    Nun, es beginnt schon mal damit, dass sich Gasteiger nicht, wie von der Wirtschaftskammer vorgesehen, als Hotelier versteht, sondern als "Superhost". Mit dieser Bezeichnung, die eigentlich auf die Bewertung für die besten Gastgeber bei airbnb zurückgeht, schwingen gleich mehrere Brüche eingefahrener Muster in der alpinen Tourismusbranche mit: Versöhnung von Arbeits- mit Urlaubswelt vs. Trennung; Gemeinschafts- vs. Individualerlebnis; Ganzjahresbetrieb und -beschäftigung vs. Saisonbetrieb; Wetterunabhängigkeit vs. Schneeabhängigkeit; selbstbestimmte Agenda und Service-Level (von 100% DIY bis Mietkoch) vs. Totalbeglückung; Erhalt des Echten, vs. auf Alt gefaked, Virtual Host (in Wien) vs. Real Reception, Mitarbeiter teilen sich selbstbestimmt ein vs. Top-Down, Work-in-Progress vs. Perfektion

  • Kann das Konzept als Vorbild dienen? Wie würde das Konzept als Blaupause für andere Unternehmen aussehen?

    Erst der Erfolg schafft das Interesse. Von Anfang an mit Skepsis bedacht, mausert sich der Mesnerhof-C zu einer Pilgerstätte für alle, die sich mit den Themen Tourismusinnovationen, Leerstandsbewältigung, ländliche Entwicklung und neuen Arbeitswelten beschäftigen. Hieß es zuerst "du hast dir den Hausverstand wegstudiert" oder von Tourismusexperten "keinen Euro würde ich in diesen Ort investieren" wird der Mesnerhof-C nun als Vorzeigemodell vor allem für Co-Workation genannt. Dazu haben schon mehrere Workshops in unserem "Holzschiff" mit regionalen Playern stattgefunden, die unser Projekt als Ausgangspunkt für eigene Initiativen in Angriff nehmen wollen bis hin zu einem grenzüberschreitenden EU-Projekt (in Planung).

  • Warum sollte das Konzept mit dem New Work Award ausgezeichnet werden? Was macht es einzigartig?

    Viel war oben die Rede von einer erfolgreich in Szene gesetzten Hardware für New Worker. Allerdings nimmt der Entwicklungsprozess am Mesnerhof-C selbst Anleitung an New Work Methoden. Zum Beispiel aktualisieren wir laufend unser Canvas-Model, kooperieren nach Open Innovation mit Universitäten, entwerfen, probieren und adaptieren mit unseren Gästen nach Design Thinking und letztendlich folgt auch unser Selbstversorgerkonzept dem Lean Start-up Prinzip. In einer Eigenbeurteilung zeichnet sich das Projekt wohl durch Hartnäckigkeit aus: ausgehend von einer nunmehr jahrzehntelangen theoretischen Beschäftigung (seit Fraunhofer Office 21) hin zum durchaus riskanten, prototypenartigen Umsetzung, die noch andauert (es gibt noch zwei leerstehende Häuser).