Die Frage, welche Werte eine Firma nach innen und nach außen lebt, wird immer wichtiger. Viele Kunden, Bewerber und vor allem immer mehr Mitarbeiter selbst beurteilen ein Unternehmen nach Kriterien wie Nachhaltigkeit, Fairness, Transparenz und modernen Führungs- und Organisationsstrukturen. Es ist nicht mehr egal, für wen oder was man arbeitet, Hauptsache, das Geld stimmt. Die Unternehmenskultur wird damit zu einem entscheidenen Erfolgsfaktor, jenseits aller Hochglanzbroschüren und Gewinnmeldungen. 

Was macht ein Unternehmen besonders, was ist seine spezielle DNA? Warum macht die Arbeit in diesem Unternehmen Spaß? Befriedigt die Arbeit dort die Sehnsucht der Menschen, Sinn in ihrem täglichen Tun zu sehen?  Jedes Unternehmen hat seine eigene Leitkultur, seine Werte und Regeln. Sie machen ein Unternehmen unverwechselbar, beeinflussen seine Atmosphäre nach innen und sein Image nach außen. Kurzum: Sie machen es zu dem, was es ist. Die Unternehmenskultur ist mitentscheidend dafür, wie attraktiv ein Arbeitgeber ist, ob Beschäftigte dort gerne und über viele Jahre arbeiten und wie der Ruf am Markt ist.

Denn Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer legen immer mehr Wert darauf, einen Arbeitgeber zu finden, der ihren Vorstellung möglichst gut entspricht. Eine identitätsstiftende Unternehmenskultur schafft Motivation führt dazu, dass die besten Mitarbeiter auch bleiben. Sie kann aber auch die Chancen im Recruiting erhöhen und ein Magnet für top Talente werden. Denn auch Bewerber stellen immer öfter die Frage nach dem „Cultural Fit“: Passe ich in dieses Unternehmen?“, oder, noch viel wichtiger: „Passt dieses Unternehmen zu mir?“ .

Was aber macht eine „gute Unternehmenskultur“ aus? Auf der Bewertungsplattform kununu beurteilen Arbeitnehmer ihren Arbeitgeber anhand von mehreren, ganz unterschiedlichen Kriterien. Diese reichen von ‚harten’ Fakten wie Gehalt und Arbeitsbedingungen zu  ‚weicheren’ Themen wie Kollegenzusammenhalt und Work-Life-Balance. Interessant ist, dass an manchen Faktoren der Kultur noch ‚kränkelt’. Während die Kollegen beinahe traditionell oft gelobt werden und auch Aufgaben und Arbeitsbedingungen immer besser abschneiden, rangieren Indikatoren wie Image, interne und externe Kommunikation sowie Umwelt- und Sozialbewusstsein auf den letzten Plätzen der Bewertungsskala. Da gibt es also noch Aufholbedarf.

Zwar versuchen Unternehmen nach wie vor häufig, genau diese Punkte durch Hochglanzbroschüren und Image-Videos zu vermitteln. Authentisch sind diese Selbstdarstellungen aber nicht immer. Unternehmenskultur ist mehr als ein Image. Dabei ist es für Arbeitgeber wichtig, ihre Werte aktiv zu leben und dann auch nach außen konsistent zu vermitteln.

Der Aufbau einer identitätsstiftenden Unternehmenskultur ist erheblich leichter gesagt als getan, denn Vorspielen kann man eine solche Kultur nicht. Das Schaffen einer authentischen Kultur funktioniert außerdem nicht von heute auf morgen. Denn sie betrifft sämtliche Bereiche einer Organisation, angefangen von der strukturellen Architektur der Firma, über Gehaltsfragen, Arbeitszeitgestaltung und individuellen Freiheiten bis hin zu Führungsprinzipien.

Gerade die Realisierung des letzten Punkts ist oft mühselig: Denn die Veränderung einer Unternehmenskultur vom hierarchisch geprägten System, in dem Arbeitsschritte stets eng begleitet und kontrolliert wurden, hin zum agilen Arbeitsumfeld weitestgehend ohne Führungskräfte und mit der Anforderung an die Mitarbeiter, gerne eigenverantwortlich zu arbeiten müssen, kann nicht innerhalb weniger Monate gelingen. 

Und schließlich ist jede Firmenkultur, so gut und „new workig“ sie auch sein mag, in Krisenzeiten wie der Corona-Pandemie besonderen Belastungen ausgesetzt. Ob und wie man gemeinsam wirtschaftlichen Druck, Zwangs-Shutdown und private Belastungen übersteht und bestenfalls stärker aus der Krise hervorgeht, kann die Unternehmenskultur nachhaltig prägen und verändern. Nicht für alle Arbeitgeber fällt das Krisenzeugnis gut aus.

Unser Fokusthema „Unternehmenskultur“ soll die wichtigsten Fragen, die größten Probleme und die gelungensten Beispiele des Themas aufzeigen, und dabei die Sicht und die Wünsche beider Seiten gleichermaßen berücksichtigen. 

Ralf Klassen