31.-04. September

Kreativer Wochenabschluss

Freitag, 04. September 2020

Generationenportrait von Dorothea Röben

Dorothea Röben ist ursprünglich ein Nordlicht, das nach diversen Umwegen irgendwie im Postbrexitland gelandet ist. Ihre Arbeit als Sprachdozentin gemeinsam mit Geflüchteten, ein abgebrochenes Psychologiestudium und ihr großes Interesse an der Interaktion zwischen Sprache und Gesellschaft hat sie zu einem Linguistikstudium inspiriert- vielleicht aber auch ein bisschen, um ihre Leidenschaft zum Schreiben zu legitimieren. Am liebsten Essays und Gedichte, gerne liebevolle Kritik am immer weiter gentrifizierenden London und unserer schnelllebigen Generation Y.

 

Ich will euch nun erzählen
von meiner Freundin Isa
sie ist wohl ein Millenial
wie du ‘ne she/her

Aus manchmal mehr und manchmal null politischer Raison
hat sie des Weiteren eher selten Unterwäsche an 
um euch ein gutes Bild zu geben von meiner liebsten Isa
ihr Sternzeichen ist Fische, die Jacke Patagonia

Ursprünglich kommt klein Isa von der schönen Langen Reihe
dann dacht sie sich das Yuppilieren kann auch woanders fein sein 
so packte sie ihr Stand Up Paddle, stand sieben Tage Schlange
‘denn es lohnt sich wirklich mega’ für zwei Kugeln Ahorn-Mandel

Für den eigentlichen Abschied fand ich sie am innren Fluss
Für nen letzten Hashtag Alsterrun, ’ne Träne und ’nen Kuss
Dann tauschte sie mal eben ihre Heimatalster aus
Die Themse ist doch fast genau so schön, wenn auch ein bisschen grau

Wenn Isa heute aufwacht in ihrer fancy Yuppieflat
streckt sie sich aus und denkt sich ’ach Gott ist mein London nett‘                                          

draußen zwitschern Vögel wunderbar sanft vor meinem Fenster                                                     

und unten gröhln zuweilen ein paar besoffene Australier

 

Nun erstmal Yoga und Meditieren und ’ne Tasse Filterkaffee 
der ganz vergnügt verdünnt wird mit einem halben Liter Flachsmilch

Nach diesem holy morning ritual macht sich unsere Freundin dann
an’s nächste und zieht die Uniform der City Slicker an 
’ne Fahrradweste, so intensiv, so leuchtet doch nur Lycra
denn hier gibts statt verträumten Radlern nur sehr sehr ernste Biker

Unten angekomm’ hüpft Isa auf ihr neues Vintage Peugot Fixie
sie reiht sich ein und radelt mit zur spiegelblanken City
und während sie mit all den wichtigen Tax Consultants etc.
von Clapham Süd nach Clapham Nord in Richtung Städchen pest 
schaun sie sich alle um und denken in schönster Symbiose
‘ist echt so schlimm mit der Gentrifizierung und so‘

die Stadt heißt eigentlich City und ist auch eigentlich keine Stadt
denn Isa wohnt im Süden denn die City hat Frau satt

Doch das riesenschöne Glashaus ist in der Mitte jener Stadt
da hat sie wirklich so viel Spaß an der Arbeit die sie macht
das kann ich gut verstehen obwohl ich’s nicht so ganz durchschau
ist irgendetwas mit AI und Marketing und so
Zusammenfassend klingt es ganz nach Hamburg 2.0
nach sehr sehr viel Verantwortung 
und viel in Berlin on Tour

Ein echtes Hamburger Deern lässt sich nunmal nicht lumpen
in ’ne Work Life Balance muss man eben auch Geld und Energy pumpen
und die 2.000 Pfund Miete sind eigentlich auch total ok
denn einer wahren Hamburgerin tut ohnehin nur der Post 
‘Hamburg meine Perle + Ankeremoji’ weh.

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