New Work-Geschichten

Freitag, 02. April 2021

Das Streben nach sinnvoller Zeit

Nichts ist so spannend, berührend, interessant und inspirierend wie wahre Geschichten. Auch unser Arbeitsleben und alles, was damit zusammenhängt (und das ist viel), liefert jeden Tag Stoff für Erzählungen und Berichte, in denen wir uns wieder erkennen, mit denen wir mitfühlen können. In unser neuen Kooperation mit der Plattform story.one, auf der Menschen ihre ganz persönlichen Geschichten veröffentlichen können, präsentieren wir ab jetzt solche Erzählungen. Die zweite New Work-Geschichte kommt von Katrin, die von einem ganz anderen Arbeitsleben träumt.

Das Streben nach sinnvoller Zeit

Von Katrin

„Wahnsinn, schon wieder ist ein Tag um“, denke ich mir so oft in letzter Zeit vorm zu-Bett-gehen. In den letzten Monaten habe ich so einige Selbsthilfebücher und Aussteiger-Lektüren gelesen und neben dem Wunsch, einen Van zu mieten und durch Norwegen zu düsen ist mir auch bewusst geworden, wie wichtig Zeit eigentlich ist. Ich habe einmal gelesen, dass Menschen durchschnittlich ca. 24000 Tage leben und dass uns diese Zahl in der Regel schockiert. Der Grund ist, dass Tage greifbarer sind als Jahre und es uns somit in Tagen viel kürzer vorkommt. Mein Vorhaben nach den Lesestunden war vor allem, dass ich meine Zeit intensiver nutzen und mit Dingen füllen möchte, die mich glücklich machen.

Gesagt, getan - doch das ist gar nicht so einfach. Auf der Suche nach Dingen, die einen erfüllen, erkennt man schnell: sie passen oft schwer in den täglichen Zeitplan. Geschichten schreiben, Möbel aus altem Holz bauen oder was auch immer die Dinge sind, die einen glücklich machen: sie sind oft nicht so leicht in den Alltag einzubauen wie die hundertste Netflix-Serie oder essen zu gehen. Es erfordert mehr Kraft als die gemütlichere Alternative, und die hat man nach einem Arbeitstag oftmals einfach nicht mehr - also entscheidet man sich für die bequemere Variante. Am nächsten Tag steht man dann voller Energie wieder auf und widmet diese erneut Tätigkeiten, die oftmals nicht die Erfüllung per se sind. Reicht das? Reicht mir das?

Auf dieser Suche nach Stolz, erfüllter Zeit und Freude am Arbeiten bin ich nicht alleine. Eine ganze Generation wünscht sich mehr Freiheit und sinnvollere Nutzung ihrer Zeit. Doch woher kommt das? Wieso war oder ist es für unsere Eltern okay, einen Job auszuüben, den sie mittelmäßig mögen, und wir schreien schon nach einem Arbeitsjahr nach Weltreisen, Work-Life-Balance und mehr Freiheit?

In Filmen jubeln wir den Leuten zu, die den 9-to-5 Job hinschmeißen, sich ihrer Leidenschaft widmen und eine kleine Galerie aufmachen. Da gibt’s keine Businesspläne und Zielgruppenanalysen, da gehts nicht um Altersvorsorge und Lebensversicherungen. Auch in der Realität hört man oft die bewunderten Aussteiger-Geschichten, wie sie jeder kennt. Uni-Absolventen, die dann doch Polizisten wurden. Die erfolgreiche Marketingleiterin, die Stunden reduzierte und seitdem 6 Monate arbeitet und dann 6 Monate reist. Der Jus-Absolvent, der nun doch lieber die Lehre als Bäcker nachholt oder die ehemalige Schulkollegin, die von Bali aus der Hängematte arbeiten kann weil sie Urlaubsfotos online verkauft. Wir bewundern diese Leute, schaffen es aber gleichzeitig nicht, den Mut zu fassen und selbst eine solche Veränderung zu erzielen.

Das hier ist keine Geschichte, die eine Lösung parat hat oder mit einem wahnsinnig tiefgründigen Statement endet. Wenn du eine Lösung hast, wie wir gemeinsam von Bali aus der Hängematte unsere Brötchen finanzieren können, dann lass es mich bitte wissen!

*Die Geschichte von Katrin erschien zuerst auf der Plattform story.one, von der wir im Rahmen einer Kooperation regelmäßig Stücke zum Thema New Work übernehmen. Mehr über story.one und die Idee dahinter lesen Sie in diesem Interview mit dem Gründer Hannes Steiner

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