New Work-Geschichten

Karriereziel: Kronleuchter

In unser Kooperation mit der Plattform story.one, auf der Menschen ihre ganz persönlichen Geschichten veröffentlichen können, präsentieren wir Erzählungen und Berichte aus der Arbeitswelt, in denen wir uns wieder erkennen, mit denen wir mitfühlen können. Die folgende Geschichte* stammt von der story.one Userin Beate Schilcher, die einen sehr interessanten Ansatz zur Persönlichkeitsentwicklung beschreibt.

Karriereziel: Kronleuchter

Von Beate Schilcher

Spätestens seit der Ära Lockdown ist klar: Die eigenen vier Wände sind ein spezieller Ort. In unseren Räumen erschaffen wir die Welt. Hier praktizieren wir aktive Selbstfürsorge und werden zu Schöpfer*innen unseres Daseins.

Und: Hier trainieren wir unsere Eigenwahrnehmung.

Ein Raum-Workshop, der einige Jahre zurückliegt. Wir befassen wir uns mit der Frage, welcher Teil ihres Zuhauses oder welches Objekt innerhalb ihrer vier Wände die Kursteilnehmer*innen selber am ehesten repräsentieren würde. Eine Frau nennt ihren Herd – „Ich bin wie mein Herd“ – und beschreibt ihn so:

„Ein teures Stück" (Sie hatte immer hoch bezahlte Jobs), eine „solide Marke, von hervorragender Qualität. So etwas gibt es heute gar nicht mehr“. Der Herd hätte „eine Vielzahl an Funktionen, von denen die meisten gar nicht gebraucht werden" (die Frau ist überqualifiziert für die meisten aktuellen Jobangebote). Der Herd sei „immer gut gewartet, aber natürlich schon in die Jahre gekommen“ (was trotz der pfleglichen Fürsorge auch sichtbar war), „aber: voll funktionsfähig.“ – Zusammengefasst: „Je länger ich darüber nachdenke, desto toller finde ich meinen Herd.“

Noch während des Workshops beschließt die Frau, ihrem Herd an diesem Tag einen Blumenstrauß mitzubringen. Das mag spooky, kreativ oder auch visionär klingen, jedenfalls: Die Anschaulichkeit der Situation spricht für sich. Das Anerkennen der herausragenden Qualitäten ihres Herdes stellvertretend für sie selber hat die positive Eigenwahrnehmung dieser Frau gestärkt.

Ich denke seitdem regelmäßig über das Objekt nach, das mich am ehesten repräsentiert. Ich merke: Es wechselt laufend. Einmal ist es ein Bild, das ich selber gemalt habe, dann die Tischlampe von der italienischen Reise. Ein Tisch war ich auch schon. Und ein Stein aus Irland.

Ich starte also eine Umfrage:

Wie ist das bei Ihnen, dieser Tage? Sind Sie Ihr Sofa oder eher der Antiquitätenschrank? Sind Sie Sichtbeton oder Hygge-Kuschel? Sind Sie geerbt oder frisch vom Möbelhaus? Andachtsbild oder Stereoanlage? Duften Sie nach Lavendel oder Rosmarin-Hendl? Sind Sie aus Holz oder Stoff? Sind Sie die Wandleuchte oder die Terrassentür? Und: Planen Sie womöglich demnächst einen Karrieresprung in Richtung Kronleuchter?

Lassen Sie mich’s wissen. Ich sammle Ideen. Womöglich können wir miteinander ein tolles Haus einrichten. Mit eingeplanter Job-Rotation, damit uns nie langweilig wird: Coffee Table wird Wickeltisch, Kühlschrank wird Klimaanlage, Zierkissen wird Picknickplatz. Je nachdem, was gerade gebraucht wird. Oder uns guttut. Wir können das.

Fragen Sie Mutter Erde: Seit es uns, die Corona der Schöpfung, gibt, mutieren wir laufend. Mal so, mal so. Wir (über)leben, wie wir wohnen. Haben wir immer schon getan. Wir sind eine Erfolgsgeschichte. Und jetzt erschaffen wir: Das Haus der Zukunft. Mit Liebe und Achtsamkeit. Je nach Laune und Bedarf: Alles kann alles.

Wir schaffen das. Wir werden immer besser. Gehen wir’s an.

*Diese Geschichte erschien zuerst auf der Plattform story.one, von der wir im Rahmen einer Kooperation regelmäßig Stücke zum Thema NEW WORK übernehmen. Mehr über story.one und die Idee dahinter lesen Sie in diesem Interview mit dem Gründer Hannes Steiner

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