Interview mit Heiko Schmidt / Future Optimist Audi AG

"Wer in die Zukunft will, muss das Heute loslassen"

Was macht ein Berufsoptimist im Automobilkonzern? Heiko Schmidt ist Future Optimist und arbeitet bei Audi in Ingolstadt. Dort etabliert er neue innovative Formate für Transformation und Kommunikation. Wie schafft man es, trotz globaler Krisen optimistisch zu bleiben und warum müssen wir trotz der vielen Veränderungen keine Angst haben? Er sagt: "Ich möchte eine andere Haltung zur Zukunft etablieren".  Im Interview mit dem NWX Magazin anlässlich seines Auftritts bei der Zukunftskonferenz "Pallas Gathering"* erklärt Heiko, warum diese Einstellung trotz Tränen und Verlusten auch große Chancen mit sich bringt. Und warum es gut ist, wenn nicht alles im Leben vorhersehbar ist.

Heiko, wie wird man "Future Optimist" bei Audi?

Heiko Schmidt: Offiziell bin ich Leiter der Händlerentwicklung im Vertrieb Deutschland und in dieser Funktion auch verantwortlich für das Training der deutschen Handelsorganisation. In meinem Job geht es also darum, Zukunftskonzepte für unsere selbständigen Händler zu entwickeln und sie fit für die mobile Welt von morgen zu machen. Dabei erlebe ich oft, dass Menschen besorgt in die Zukunft schauen, Angst vor Veränderungen und neuen Herausforderungen haben. Ich halte es aber für wichtig, der Zukunft offen und mit mehr Optimismus zu begegnen. Nur so können wir Zukunft gestalten, anstatt gestaltet zu werden. Ich möchte meinen persönlichen Zukunftsoptimismus deshalb teilen – innerhalb der Organisation, aber auch außerhalb , zum Beispiel auf LinkedIn oder bei Events wie dem Pallas Gathering

Du bist also ein Berufsoptimist?

Heiko Schmidt: Ja, aber ich bin kein Glücksapostel, der alles durch die rosarote Brille sieht und den Menschen verkündet, es wäre ganz einfach, rund um die Uhr glücklich und erfolgreich zu sein. Ich bin jedoch fest überzeugt, dass wir viele Gründe haben, optimistisch in die Zukunft zu schauen – sogar mehr als je zuvor. 

Das klingt angesichts der Weltlage jetzt schon ein bisschen wie Zweckoptimismus. Klimawandel, Energiekrise, Inflation …. wird alles wieder gut?

Heiko Schmidt: Nochmal: Ich sage nicht, dass es einfach wäre. Wer in die Zukunft will, muss das Heute loslassen. Den Status quo aufzugeben, kann auch Tränen und Verluste mit sich bringen. Doch es steckt eine große Chance darin, Dinge hinter sich zu lassen, die nicht zukunftsfähig sind. Wir haben heute so viele Möglichkeiten, Transformation zu gestalten, wie nie zuvor: Sei es Künstliche Intelligenz, erneuerbare Energien, alternative Antriebe. Wir müssen das Wissen und die Technologien, die wir am Start haben, nur sinnvoll nutzen. Wenn wir jetzt nicht Future Optimisten werden, wann denn dann?

Was bedeutet diese Einstellung für Deine Rolle bei Audi?

Heiko Schmidt: Eine meiner wesentlichen Aufgabe ist es, unsere rechtlich selbständigen Händler mit Zukunftskonzepten zu schulen. Und zwar nicht nur technologisch, also beispielsweise in Bezug auf digitalen Vertrieb oder E-Mobility. Transformation wird meiner Meinung nach oft zu technokratisch gesehen. Mir geht es vor allem darum, eine andere Haltung zur Zukunft zu etablieren, Diskurse zu fördern und zu fordern, die Bereitschaft zu wecken, sich fokussiert und in der Tiefe mit wichtigen Zukunftsthemen auseinanderzusetzen. 

Kann man Offenheit und Zukunftsoptimismus im Seminar vermitteln? Wie setzt Du das um?

Heiko Schmidt: Ich versuche, den Denk- und Handlungsrahmen weiter aufzumachen und setze dazu auch auf neue Formate. Früher stand vorne der Trainer und hat den Führungskräften oder den Verkäufern drei Stunden lang etwas zu einem bestimmten Sachverhalt erzählt. Heute nutzen wir verstärkt offene, diskursive Formate, zum Beispiel Workshops oder Barcamps. Wir versuchen, Problemstellungen kompetenz- und hierarchieübergreifend anzugehen und gemeinsam neue Ideen und Lösungen zu entwickeln. Dazu laden wir beispielsweise Führungskräfte und Mitarbeitende aus unterschiedlichen Bereichen gemeinsam ein. Und wir beleuchten Themen aus unterschiedlichen Blickwinkeln: Wie gehen beispielsweise Soziologen, Mathematiker, Ingenieure, Juristen oder Psychologen mit der jeweiligen Fragestellung um. Diskursive Formate sind wunderbar und tragend für die Zukunft.

So mancher Visionär ist gescheitert oder war seiner Zeit zu weit voraus. Wie finde ich als Unternehmer oder Führungskraft die richtige Balance zwischen Zukunfts- und Gegenwartsorientierung?

Heiko Schmidt: Bewährtes aufzugeben, auch wenn ich noch nicht genau weiß, wie die Zukunft aussieht, erfordert Mut und Risikobereitschaft. Vor allem in großen Unternehmen sind Führungskräfte oft anders sozialisiert. Dort muss alles messbar und vorhersehbar sein. Future Optimism bedeutet für mich deshalb auch ein neues Unternehmertum, das stärker auf Ausprobieren fußt und Raum für Experimente lässt, anstatt in Kennzahlen zu messen, was noch gar nicht messbar ist. Es ist doch gut, wenn nicht alles vorhersehbar ist. Daraus entstehen Ideen und Visionen und die Chance, die Realität von morgen selbst zu gestalten.

Freust Du Dich auf das Pallas Gathering?

Heiko Schmidt: Ja, absolut. Im letzten Jahr habe ich einen Poetry Slam veranstaltet und auch in diesem Jahr werde ich ein planlos geplantes Format anbieten. Es stimmt mich unglaublich optimistisch zu erleben, was bei so einer Veranstaltung in einer Stunde Tolles entstehen kann, wenn man in den Diskurs geht und Menschen einfach zu Wort kommen lässt. Denn sie sind der wichtigste Faktor, in ihnen stecken Ideen, Wünsche und Träume. Die Zukunft zu gestalten, das schaffen wir nur gemeinsam. Im Wir haben wir unglaubliches Potenzial.

Das Interview führte Kirstin von Elm

*Event-Tipp: Der dreitägige Kongress "Pallas Gathering“, der vom 3. bis 5. Oktober in Ingolstadt stattfindet, wird mit vielen prominenten Speakern den großen Trends unserer Zeit, einer nachhaltigen Lebens- und Wirtschaftsweise, neuesten Technologien und humanistischen Werten nachgehen. Für NWX Magazin-Leserinnen und Leser gibt es Tickets zu günstigen Sonderkonditionen mit dem Stichwort „NWXROCKS“ unter diesem Link