New Work-Geschichten

Montag, 03. Mai 2021

Home Office Heroes

Unser Arbeitsleben und alles, was damit zusammenhängt, liefert jeden Tag Stoff für Erzählungen und Berichte, in denen wir uns wieder erkennen, mit denen wir mitfühlen können. In unser Kooperation mit der Plattform story.one, auf der Menschen ihre ganz persönlichen Geschichten veröffentlichen können, präsentieren wir solche Erzählungen. Unsere nächste Geschichte* stammt von der story.one Userin "Schachtel Satz", die einen typischen Tag von wohl vielen von uns beschreibt.

Home Office Heroes

Von "Schachtel Satz"

Wecker auf 07:00 Uhr stellen, erste "Guten Morgen Meldung" in die Firmen-Whatsapp-Gruppe schreiben, umdrehen, weiterschlafen.

08:30 Uhr ein vier Minuten Telefonat führen danach in weiteren vier Minuten einen zweiseitigen Arbeitsbericht verfassen, der mit vielen, gekonnt eingeflechteten dramatischen Twists, den Eindruck einer 90 Minuten langen hoch professionellen, gut strukturierten Beratung entstehen lässt (und ich hab Jahrzehnte lang damit gehadert, außer viel reden, nix zu können. Endlich kann dieses unterbewertete Talent glänzen, oh boy, und wie es das tut.)

Den Hund bürsten, YouTube Clips von singenden Katzenbabies auf flauschigen hellbeigen Hundewelpen anschauen, zwei Kurzgeschichten lesen und reviewen, dem Hund Zopferln flechten - ACHTUNG: einen Link, kann irgendeiner sein liest sowieso keiner, in die Slack-Team-Gruppe stellen und mit einem laaaaaangen Absatz kommentieren, die Finesse liegt darin, so langatmig zu schreiben, dass wirklich (mit der Betonung auf echt, voll, garantiert) niemand weiter liest und mit ein paar abschreckenden Fremdwörtern spicken und schon hat man wieder einen Beitrag zum "boah die kennt sich aus" Image geleistet und kann sich fortan weiter überlegen - dem Hund einen Mittelscheitel längs des Rückens zu ziehen.

Mittags tut man noch schnell im Betreff eines E-Mails an ALLE kund, "dass man heut ned amal zum essen kommt, soviel wie man zu tun hat" und der E-Mail Text baut sich aus einem ca. 800 Wörter langen, unformatierten - ganz wichtig: KEINE Absätze - am besten voll mit medizinischem Kauderwelsch zur aktuellen Situation in der Welt auf - danach wohlverdienter Mittagsschlaf.

Dank der Funktion "zeitversetztes Senden" verschickt sich automatisch, während man selbst von den gleichen Katzenbabies träumt deren YouTube Clips man im Dauerloop gesehen hat und die verstörender Weise alle einen SEITENSCHEITEL tragen (geht gar nicht), geht die Meldung an die Vorgesetzte raus, das man etwas, dem Projekt-Manual entsprechend, erledigt hat, was ohnedies klar ist, aber es tut gut darüber geredet zu haben.

Gegen 14:30 Uhr nächstes sieben Minuten Telefonat und weils länger gedauert hat, wird der Arbeitsbericht diesmal auch drei Seiten lang und gegen 15:00 Uhr, nachdem man noch drei bis fünf short messages vorbereitet hat für den halbstündlichen Versand, geht es auf in den hart erarbeiteten Feierabend - nicht vergessen, als Letzte in der Firmen-Whatsapp-Gruppe so um 20:00 Uhr rum noch ein gehetztes "so, jetzt kann ich auch endlich den Computer runterfahren!"hinterlassen.

Bis morgen um 07:00 Uhr.

Herzlichst, Ihre

#workingclassheroine

*Diese Geschichte erschien zuerst auf der Plattform story.one, von der wir im Rahmen einer Kooperation regelmäßig Stücke zum Thema New Work übernehmen. Mehr über story.one und die Idee dahinter lesen Sie in diesem Interview mit dem Gründer Hannes Steiner