Interview mit Michael O. Schmutzer über New Work auf dem Land

Mittwoch, 16. Juni 2021

„Der Arbeitsplatz unter dem Obstbaum – das macht was mit uns“

Wo werden wir in Zukunft arbeiten? Neben Innenstadtbüro und Homeoffice werden auch Arbeitsorte im ländlichen Raum eine immer größere Rolle bei der Gestaltung der neuen Arbeitswelt spielen, ist Michael O. Schmutzer* überzeugt. Darum gestaltet der New Work-Pionier jetzt Dörfer zu Macherorten auf dem Land um. Das NWX Magazin sprach mit ihm über die neuen "third places", an denen unter Bäumen magische Dinge passieren.

NWX Magazin: Michael, welche drei Schlagworte fallen dir spontan ein, wenn es um das Thema „Arbeiten nach Corona“ geht? 

Michael O. Schmutzer: Zurück ins Büro, Prototyping my office und die Frage: Wie will ich wo arbeiten?

Apropos, wo arbeiten: Mit deinem neuen Projekt „Neue Höfe“ entwickelst Du in einem Dorf in Franken Locations für Offsites und Arbeiten – sollen oder wollen wir in Zukunft alle auf dem Land arbeiten?

Michael: Ich werde oft gefragt: Sollen die Städter jetzt alle aufs Land ziehen? Das glaube ich nicht – aber was ich glaube, ist: Wenn es das richtige Angebot gibt, gibt es genug Menschen, die gerne auch mal in einem anderen Modus und an anderen Orten arbeiten wollen. Die Technologisierung ist für den ländlichen Raum eine riesige Chance.

Viele fühlen sich von „der Provinz“ doch eher eingeengt…

Michael: Der ländliche Raum muss den Mumm haben, seine Stärken zu zeigen: Dass man sich nicht in im Ländlichen eingeengt fühlen muss, sondern besondere Orte mit mehr Natur, mehr Platz und mehr Freiheit uns verdammt guttun. Wer schon einmal seinen Arbeitsplatz unter einen Obstbaum aufgeschlagen hat, weiß: Das macht energetisch was mit uns. 

Wie wichtig ist der Ort der Arbeit überhaupt noch in Zukunft? Wir haben ja gesehen, dass vieles remote geht.

Michael: Als Menschen brauchen wir Zugehörigkeit und die entsteht über den Ort. Dort bildet sich die Arbeitskultur, dort will ich kreativ mit meinem Team in Projekte eintauchen. Auch wenn vieles im Homeoffice geht, halte ich die Trennung von Arbeitsort und Wohnort mindestens zeitweise für wichtig: Wie im Meister-Eder-Haus, in dem sich unten die Werkstatt und oben die Wohnung befanden und so auch die beiden Welten getrennt waren. Neben Büro und Homeoffice suchen wir aber auch die „third places“.

Die bietest Du ja auch in Neuhof an der Zenn, wo verschiedene Angebote entstehen. Welche Möglichkeiten gibt es da?

Michael: Ich beschreibe den Ort gern als Fußballstadion. Du kannst die Loge haben, also als Unternehmen große Flächen mieten, um an Projekten zu arbeiten. Oder eine Dauerkarte für die Haupttribüne kaufen, dich also als Soloselbständiger oder Kleinunternehmer langfristig einmieten. Oder du kaufst nur die Karte für ein Spiel und kommst einen Tag zum Arbeiten her. Daneben haben wir Studios zum Wohnen und Arbeiten, den Hammerhof als Offsite-Location mit Macher­scheune, Gaststube und Eventküche, den Gutshof Neun für Kreativworkshops oder Team-Meetings, Coworking und Cocreation – und das Wirtshaus „Schwarzer Adler“ als Wohlfühlort für moderne Gastlichkeit.

Und gerade entsteht der „Macherhof“ – sozusagen ein neuer Coworking-Raum für das Handwerk?

Michael:  Ja, wobei: Neu nicht ganz. Wir tun ja immer so, als hätten wir das Coworking erfunden. Dabei ist das Zusammen-Arbeiten, gegenseitige Hilfe, Synergien, Community und Austausch eigentlich alt, denn die Handwerkerhöfe gibt es ja schon immer. Die Idee wollen wir jetzt neu interpretieren.

Und daneben findet bei euch ja auch die „CoCreationExpo“ statt, die ihr gemeinsam mit dem Beratungsunternehmen „BlackBox/Open“ veranstaltet. Zusammen mit interessanten Gästen geht es unter dem Titel „New Work City“ um…? 

Michael: … die Arbeitswelt von Morgen. Da wird es auch nicht nur ums Land, sondern auch um die Stadt gehen: Wie kommen wir aus der Monokultur raus? Wir haben nur teure Flächen, Einzelhandel, kein Wohnen, kein Leben. Auch in der Stadt muss man Orte schaffen, in denen Talente echt Lust haben, zu arbeiten. In den nächsten neun bis zwölf Monaten werden wir erst herausfinden, wie wir unsere Arbeit in Zukunft gestalten wollen, für welche Aufgabe welcher Ort gut ist –  wenn es nicht sogar ein Prozess ist, der nie abgeschlossen sein wird. Es wird hybride Modelle geben, aber keine Patentlösung für alle.

Das Interview führte Maria Zeitler

*Zur Person: Michael O. Schmutzer ist New-Work-Pionier und Gründer von „Design Offices“, dem führenden Anbieter für Corporate Coworking. 2020 gab Schmutzer die CEO-Rolle ab und ist aktuell für Design Offices und andere Unternehmen im Bereich New Work Spaces beratend tätig. Außerdem kümmert er sich um sein neues Herzensprojekt „Neue Höfe“. In diesem Rahmen will er Orte im ländlichen Raum neu beleben und für gemeinsames Leben und Arbeiten öffnen. Der erste „Macherort“ entsteht in seiner fränkischen Heimat Neuhof an der Zenn.

 

Mehr Infos über und Tickets für die CoCreationExpo gibt es hier bei XING Events