Engagements für Umwelt und Natur

New Work meets Nachhaltigkeit

Plumpes Greenwashing mit einmaligen PR- und Spendenaktionen war gestern. Immer mehr Firmen unterstreichen mit langfristigen Engagements die nachhaltigen Werte ihres Unternehmens: Mitarbeiter legen ganze Wälder an und bewirtschaften Biogemüse-Parzellen, Firmen pflegen Streuobstwiesen, gründen Solarstrom-Kooperationen für ihre Dächer oder bestücken das Firmengelände mit "smarten" Bienenkörben. Warum vor allem Unternehmen aus nicht "grünen" Branchen für Umwelt und Natur aktiv werden und welche Ideen sie dabei entwickeln, zeigt der Report von NWX Magazin-Autorin Birte Schmidt*. 

An dem Tag, als Schleswig-Holstein um 100 Bäume reicher wird, gibt sich sogar Atze Schröder die Ehre. Zusammen mit Jasper Ramm, dem Geschäftsleiter der Online Marketing Rockstars (OMR) und weiteren Mitarbeitern der digitalen Wissens- und Networkingplattform für Online-Marketing und -Medien, pflanzt der Comedian an diesem Tag auf einer Freifläche in Neversdorf bei Bad Segeberg nördlich von Hamburg Eichen für den OMR-Unternehmenswald. „Es geht nicht darum, sich ein Zertifikat irgendwo hinzuhängen, sondern mit anzupacken, etwas wirklich Nachhaltiges entstehen zu lassen und nicht nur darüber zu sprechen“, kommentiert Jasper Ramm die Aktion. Und Atze Schröder fügt hinzu: „Es geht darum, sich das ganz nah zu holen, dass wir alle betroffen sind. Deshalb ist Klimaschutz nicht Sache von Einzelnen oder Politikern, sondern geht uns alle an. Das ist genau der Impuls, den ich setzen will.“  Ramm und Schröder rechnen damit, dass allein der OMR Wald in den nächsten 30 Jahren das Äquivalent von 300 Tonnen CO2 speichern wird.

Das Klima rettet sich nicht von allein – der Wald hilft

Es sind eben jene Absichten, die Ramm und Schröder verbinden, die auch viele weitere Unternehmen dazu veranlassen, Gutes für die Natur zu tun – und das ganz aktiv, vor der eigenen Firmentür. Die Baumarktkette Bauhaus hat kürzlich versprochen, zu ihrem 60. Geburtstag im Rahmen ihrer Klimawald-Initiative eine Million Bäume zu pflanzen. 750.000 Setzlinge stecken bereits in der Erde – an 180 Flächen bundesweit.

Auffällig ist: Es sind nicht nur die typisch ökologischen Firmen, die sich mit solchen oder ähnlichen Aktionen ins Gespräch bringen. Im Norden tanken Kunden für mehr Wald bei Anton Willer – die Tankstellenkette hat 2019 begonnen, landwirtschaftliche Flächen aufzukaufen, auf denen seit Mitte Juni 2020 neuer Wald entsteht. Auch die Hamburger Agentur Achtung! meint: „Das Klima rettet sich nicht von allein“ und investiert 10 Prozent des jährlichen Unternehmensgewinns in den eigenen drei Hektar großen Wald. Und diese Liste ließe sich noch lange weiterführen.

Smarte Bienenstöcke auf dem Telekom-Gelände

Es sind aber nicht nur die Wälder, die es den Unternehmen angetan haben. So hat unter anderem die Deutsche Telekom an verschiedenen Standorten Bienenstöcke auf dem Firmengelände aufgestellt. Um die optimalen Lebensbedingungen für die kleinen Tierchen zu schaffen, macht sich das Unternehmen das eigene Know-how zunutze, denn die Bienenkörbe sind zum Teil mit IoT-Technik ausgestattet und mit dem Maschinen- und Sensorennetz der Telekom verbunden. Intelligente Sensoren sammeln fortlaufend Informationen zu Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Gewicht und Geräuschen direkt aus dem Bienenstock, die T-Systems Cloud übermittelt diese Daten an die Imker. Die können auf diese Weise mit einem Blick auch aus der Fernen feststellen, ob die Tiere gesund sind. 

Was zunächst nach spannender Technik-Spielerei klingt, hat einen ersten Hintergrund, denn Bienen spielen eine zentrale Rolle beim Erhalt unseres Ökosystems. Und sie werden immer weniger: Der NABU gibt an, dass es in Europa aktuell zehn Prozent weniger Bienen als noch vor ein paar Jahren gibt. 

Mitarbeiter für die Feldarbeit gewinnen

Einen ganz anderen Ansatz der Nachhaltigkeit verfolgt die Bohlsener Mühle in der Lüneburger Heide. Dort stehen Chef und Mitarbeiter regelmäßig gemeinsam auf dem eigens angemieteten Acker, den alle in Eigenregie bewirtschaften. Auf 40 Quadratmeter großen Parzellen wachsen Kürbisse, Zucchini, Kartoffeln, rote Beete und Kohlrabi. Mitmachen braucht nur, wer dazu Lust hat – und in der Mittagspause mit Bewegung an der frischen Luft entspannen möchte. Laut eigener Aussage des Unternehmens seien Bewerber von diesem Angebot meist positiv überrascht und die Feldarbeit damit ein echter Vorteil gegenüber der Konkurrenz – an einem Ort, an dem Fachkräfte knapp sind.

Photovoltaikanlage auf dem Firmendach – durch Investment der Mitarbeiter

Auch bei Unilever in Heilbronn engagieren sich die Mitarbeiter – wenn auch auf ganz andere Art und Weise. Sie haben bereits 2013 eine eigene Energiegenossenschaft gegründet und betreiben auf den Dachflächen des Unternehmens Photovoltaik-Anlagen für die Erzeugung von Strom. Den Bau der Anlage haben sie organisiert und bezahlt, kümmern sich auch um die Verwaltung, Wartung und Instandhaltung. Im Gegenzug bekommen sie eine Rendite. Und auch für Unilever ist dieses Modell attraktiv: Es stellt lediglich freie Flächen zur Verfügung und kann sich die Solaranlage in seine CO2-Bilanz schreiben.

Kneipp setzt auf Streuobstwiesen

Für den Erhalt alter Obstsorten setzen sich die Mitarbeiter des Würzburger Unternehmens Kneipp ein. In einer Mitmach-Aktion pflanzten sie regionale Kern- und Steinobstbäume auf einer großen ungenutzten Wiesenfläche auf dem Firmengelände der Kneipp-Werke in Ochsenfurt-Hohestadt und leisteten damit ihren Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt und fast vergessener alter Obstsorten. Auch das hat also einen guten Zweck, denn in Deutschland gibt es immer weniger Streuobstwiesen, die zu den artenreichsten Lebensräumen Mitteleuropas gehören und bis zu 3000 Tier- und Pflanzenarten beherbergen. 

Bei OMR sind die Pläne nach der Baum-Aktion derweil noch lange nicht abgeschlossen. Im Frühjahr 2022 plant das Unternehmen, ein eigenes Moor anzulegen – denn das speichert noch mehr CO2 als Wälder.

*Unsere Autorin Birte Schmidt ist freie Journalistin und zugleich Mitgründerin der Wilden Pracht, einer digitalen Plattform zum Verschenken von Blumen, die auf dem Feld bleiben. Auch in diesem Projekt, das aktiv Lebensraum für Bienen und Insekten schafft, können sich Unternehmen für den Umweltschutz engagieren.