NEW WORK AWARD-Gewinner Ali Mahlodji

Donnerstag, 08. Juli 2021

Jugendliche in der Arbeitswelt: Ein Bündnis für die Zukunft

Ali Mahlodji ist Gründer von whatchado und Initiator von Connecting the Dots. Im vergangenen Jahr gewann er den NEW WORK AWARD* in der Kategorie NEW WORK Alumni. Seine Vision ist, dass jeder Mensch die Möglichkeit haben muss, den eigenen Weg zu gehen. Was das konkret heißt und wie er sich mit "Connecting the Dots" dafür einsetzt, erzählt er uns im Interview. 

Kannst Du bitte Dein Projekt noch einmal kurz vorstellen?

Ali Mahlodji: Mit meinem ersten Start-up namens whatchado habe ich gemerkt, dass es nicht reicht, junge Leute bei der Berufsorientierung zu unterstützen, sondern dass man alle beteiligten Player zukunftsfit machen muss. Zum einen natürlich die Jugend. Viele Jugendliche werden in der Schule immer noch auf eine Welt vorbereitet, die nichts mit der Realität zu tun hat. Nach ihrem Abschluss haben sie vielleicht gute Zeugnisse, aber keine echte Lebens- und Arbeitskompetenz. Der zweite Bereich sind die HR-Manager und die Führungskräfte, die die Arbeitswelt quasi definieren. Zum dritten sind da die Lehrer, Eltern und die Politiker, also jene Menschen, die die Jugendlichen in dieser Arbeitswelt begleiten. Diese Bereiche der Gesellschaft adressieren wir mit unserem Projekt, indem wir richtig coole Schulungen, Vorträge und Online-Kurse anbieten, die alle drei Zielgruppen mit dem Know-how ausstatten, das sie für eine echte Zukunftskompetenz brauchen. Das Ziel des Projektes ist es, die drei genannten Bereiche zu synchronisieren. Es geht darum, dass die Jugendlichen wissen, wie die Arbeitswelt funktioniert. Es geht darum, dass Lehrer und Eltern verstehen, wie die Jugendlichen heute ticken und wie man sie auf die Arbeitswelt vorbereiten kann. Und es geht darum, dass Manager und HR-Führungskräfte begreifen, was die Jugend kann und will und wie man sie mit den verschiedenen Generationen im Unternehmen zusammenbringen kann.

Warum ist das Projekt so wichtig? Worin liegt der Mehrwert für die Arbeitswelt?

Ali Mahlodji: Wer heute die Schule fertig macht, wird bis zum Eintritt in die Rente über zehn verschiedene Arbeitsverhältnisse eingehen. Wir wissen aus Untersuchungen, dass mehr als die Hälfte der Jobs, die in den nächsten fünf bis zehn Jahren gefragt sein werden, heute noch nicht einmal existieren. Der Mehrwert, den wir mit unserem Projekt einbringen, besteht darin, dass wir alle Stakeholder – die Jugendlichen, die Führungskräfte und HR-Manager, die Eltern und Lehrkräfte – auf den neuesten Stand bringen und sie auf diese neue Arbeitswelt vorbereiten. Die meisten vergleichbaren Projekte konzentrieren sich nur auf eine Zielgruppe und betrachten die Dinge in Silos. Unser Projekt ist deshalb so stark, weil wir einen holistischen Ansatz verfolgen und den Beteiligten einen Perspektivwechsel bieten.

Wie messt Ihr den Erfolg des Projektes und den Einfluss auf die Arbeitswelt?

Ali Mahlodji: Wir haben in den letzten Jahren Hunderttausende Menschen erreicht, davon ungefähr die Hälfte Jugendliche und die andere Hälfte aufgeteilt auf Führungskräfte, HR und Menschen im Bildungsbereich. Den Erfolg spüren wir schon allein dadurch, dass wir mit Anfragen geradewegs überschüttet werden. Allein letztes Jahr – trotz Corona-Krise – hatten wir über 150 Termine in Schulen, in Unternehmen und auch an Pädagogischen Hochschulen. Diese Nachfrage ist in den vergangenen zwei, drei Jahren ungebrochen. Darüber hinaus erfahren wir immer wieder, wie sich unsere Impulse auswirken. Jugendliche, mit denen wir gearbeitet haben, bekommen ein stärkeres Selbstwertgefühl, starten plötzlich eigene Projekte und wissen, worauf sie sich fokussieren müssen. Aus den Unternehmen bekommen wir das Feedback, dass Führungskräfte eine andere Einstellung zu den Jugendlichen entwickeln und eher als Coach und weniger als Chefs agieren. Unser Projekt funktioniert also fantastisch.

Wie wird Euer Angebot von den Jugendlichen in den Schulen aufgenommen?

Ali Mahlodji: Am Anfang sind Jugendliche gegenüber Erwachsenen immer skeptisch. Aber da wir sehr authentisch auftreten, ihnen zeigen, dass wir auf ihrer Seite sind und ihnen wirklich vermitteln, dass sie die Zukunft sind, haben wir ihre Herzen meistens nach 10 Minuten gewonnen. Sie merken, wir wollen ihnen nichts beibringen, sondern wir wollen sie stärken. Das funktioniert quer durch die Bank, selbst an Brennpunktschulen in Berlin. Überall legen wir Wert auf dasselbe: Wertschätzung, Wertschätzung, Wertschätzung! Und wir verbinden das mit coolen Elementen: Wir treten so auf wie wir sind, wir verwenden coole Videos und coole Musik in unseren Präsentationen. Aber immer mit Tools, die wir den Jugendlichen an die Hand geben und ihnen sagen, damit könnt ihr selbst eure Zukunft gestalten! 

Welche Hürden gab es beim Aufsetzen Eures Projektes?

Ali Mahlodji: Unsere grundsätzliche Idee, die Menschen zukunftsfit zu machen, ist vielen Leuten zu schwammig, weil sie sich nichts darunter vorstellen können. Wenn du etwas Neues aufsetzt, das nicht nur in eine Zielgruppe hineingeht, sondern größer gedacht ist, wird es für die meisten zu unübersichtlich. Weil sie schon in der Schule gelernt haben, nur in Silos zu denken, fällt es ihnen irrsinnig schwer, über den Tellerrand hinauszublicken. Die meisten Menschen sehen die Welt eben nur aus ihrer eigenen Perspektive und können sich nicht in andere hineinversetzen. Deshalb gab es am Anfang ein bisschen mehr Erklärungsbedarf. Nachdem sich aber unser Ansatz und der Erfolg herumgesprochen hatten, war das kein Problem mehr. Eine weitere Hürde bestand zu Beginn auch darin, glaubhaft zu vermitteln, dass wir mit diesem Unternehmen einen Business Case haben. Aber Gott sei Dank hat das gut funktioniert. Wir verdienen unser Geld mit den Vorträgen und Schulungen in Firmen, die uns dafür bezahlen, dass wir ihnen vermitteln, wie Jugendliche ticken. Treten wir in Schulen auf, dann bezahlen die nur das, was sie können. Wenn sie kein Geld haben, dann bezahlen sie eben gar nichts. Bei manchen Schulen übernehmen sogar wir die Reisekosten und zweimal haben wir auch schon einen Beamer finanziert. 

Was bedeutet New Work für Dich?

Ali Mahlodji: New Work ist für mich die Entfesselung der Arbeitswelt, indem man weggeht von einer Job Description hin zu Aufgaben, die man mit den Potenzialen von Menschen matched. Und dann aber diese Menschen auch wirklich machen lässt, damit sie in ihrem eigenen Rhythmus diese Aufgaben weiterentwickeln. Das heißt, es geht ganz stark Richtung unternehmerische Agilität, auch für Angestellte. Man muss einem Menschen die unternehmerische Komponente des Denkens zutrauen. Das ist für mich New Work.

Wie bist Du auf den NEW WORK AWARD aufmerksam geworden? Was bedeutet die Auszeichnung für Dich?

Ali Mahlodji: Seit der Gründung von whatchado bin ich sehr stark in der HR-Szene verankert und mir wurde dort von mehreren Seiten gesagt: „Ali, den New Work Award musst du dir auf jeden Fall anschauen, der wäre perfekt für dich, da passt du doch gut rein.“ Ich habe den Award schon einmal gewinnen dürfen und jetzt bin ich als Alumni wieder ganz oben mit dabei. Gerade wenn man mit einer Idee beginnt, weiß man natürlich nicht, ob es funktioniert und wie sie von anderen aufgenommen wird. Dann so einen Award zu gewinnen und darüber auch Bestätigung zu erfahren, quasi einen Gegen-Check, dass es gut ist, was man macht – das ist extrem super.

Wie geht es nach dem NWA weiter – was sind Eure nächsten Schritte?

Ali Mahlodji: Jetzt geht es vor allem darum, noch digitaler zu werden. Einerseits weil es die momentane Situation von uns allen verlangt. Andererseits aber, und das erscheint mir noch vordringlicher, weil wir noch mehr Menschen erreichen wollen. Es ist mir ein großes Anliegen, unsere Inhalte vielen Kooperationspartnerinnen und –partnern zugänglich zu machen. Um noch mehr Menschen erreichen zu können, werden wir außerdem künftig viele unserer Inhalte nicht mehr nur auf Deutsch, sondern auch auf Englisch anbieten, um so auch international zu wachsen.

Deine 3 Top Tipps für alle, die die Arbeitswelt von morgen mitgestalten möchten:

Tipp 1: Die Position anderer verstehen. Bevor Du etwas verändern möchtest, versuche Dich in die Schuhe all derer hineinzuversetzen, die Teil deines Projektes sind und auf die das ganze Auswirkungen haben soll. 

Tipp 2: Hör auf dich selbst. Geh nicht davon aus, dass andere den Ansatz für Dein Projekt sofort verstehen. Hör Dir andere Meinungen an, aber lass Dir nicht von jedem die Idee ausreden, sondern steh’ zu dir selber und zu deiner Idee.

Tipp 3: Bleib realistisch. Wenn du etwas verändern möchtest, bau Dir eine Frustrationstoleranz auf. Geh davon aus, dass es schwierig wird. Geh davon aus, dass Du viele Menschen überzeugen musst. Geh davon aus, dass es viele gibt, die dich scheitern sehen wollen. Wenn du das realistisch einschätzt, dann hast du echte Chancen, Deine Idee extrem gut umzusetzen. 

*Der NEW WORK AWARD geht in die nächste Runde - ab sofort sind Bewerbungen in den Kategorien NEW WORKER:IN, NEW WORK TEAMS und ZUKUNFTSWÜRFE möglich. Zusätzlich wird zum ersten Mal der NEW WORK PUBLIKUMSAWARD vergeben, in Kooperation mit der Plattform story.one auf der ganz persönliche New Work-Geschichten veröffentlicht werden können. 

Mehr Informationen und Anmeldemöglichkeiten zum NEW WORK AWARD 2021 findet Ihr hier

 

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