Die Entwicklungen der Arbeitswelt teilen die Gesellschaft immer mehr: Während einige Beschäftigte von flexibleren Arbeitsformen und neuen digitalen Möglichkeiten profitieren, bleiben andere weitgehend außen vor. Eine aktuelle Studie zeigt, wie unterschiedlich der Wandel tatsächlich verläuft.
Die Veränderungen der Arbeitswelt kommen laut einer neuen Studie des Prognos Instituts nicht bei allen Beschäftigten gleichermaßen an. Die Untersuchung wurde im Auftrag des nordrhein-westfälischen Arbeitsministeriums erstellt und analysiert aktuelle Entwicklungen bei Arbeitsformen, Qualifizierung und Erwerbsstrukturen.
Ein zentrales Ergebnis betrifft die Weiterbildung. Menschen mit geringer Qualifikation nehmen deutlich seltener an entsprechenden Maßnahmen teil als höher Qualifizierte. Gleichzeitig steigen die Anforderungen in vielen Berufen, etwa durch Digitalisierung, Automatisierung und den Einsatz neuer Technologien. Weiterbildung gilt laut Studie damit als entscheidender Faktor, um Beschäftigungsfähigkeit zu sichern.
Auch bei den Arbeitsformen zeigen sich Unterschiede. Mobiles Arbeiten und Homeoffice haben sich nach der Corona-Pandemie auf einem höheren Niveau etabliert, sind jedoch stark von Tätigkeit und Branche abhängig. In Berufen mit hoher Präsenzanforderung – etwa in Produktion, Pflege oder Handel – bleiben die Spielräume begrenzt. Zugleich mahnen die Studienautoren mögliche Nebenwirkungen flexibler Arbeitsmodelle: Ohne klare Regelungen können sich Arbeitszeiten ausdehnen, zudem kann der informelle Austausch im Team leiden.
Dies alles geschieht vor dem Hintergrund sich teilweise rapide verändernde Tätigkeitsprofile: Immer mehr Routinetätigkeiten werden automatisiert, während analytische, digitale und kommunikative Kompetenzen an Bedeutung gewinnen. In diesem Zusammenhang spiele der Einsatz Künstlicher Intelligenz eine wachsende Rolle, etwa bei der Unterstützung von Entscheidungsprozessen oder der Automatisierung einzelner Arbeitsschritte. Laut Studie steht der Einsatz von KI in vielen Unternehmen noch am Anfang und konzentriert sich häufig auf einzelne Anwendungen. Wie stark sich daraus Veränderungen für Arbeitsorganisation und Beschäftigung ergeben, hängt demnach auch davon ab, wie schnell entsprechende Kompetenzen aufgebaut werden. Auch hier droht die Schere zwischen Wissen und Nichtwissen weiter aufzugehen.
Generell wichtig für eine positive Entwicklung der Unternehmenskulturen sind laut Studie zudem die betrieblichen Rahmenbedingungen. Dazu zählen eine verlässliche technische Infrastruktur, klare Absprachen zur Arbeitsorganisation sowie funktionierende Formen der Mitbestimmung.
Neue Erwerbsformen wie Plattformarbeit, vor einigen Jahren noch als großer Trend prognotiziert, werden bislang eher ergänzend genutzt und haben insgesamt eine begrenzte Bedeutung am Arbeitsmarkt. Und auch die Gruppe der Soloselbstständige ist weiterhin vergleichsweise klein, sie kämpft oft mit unsicheren Einkommensperspektiven und eingeschränkter sozialer Absicherung.
red / PM