So schlecht sind schlechte Chefs für das Image eines Unternehmens: Eine aktuelle Auswertung der Bewertungsplattform kununu zeigt einen drastischen Zusammenhang zwischen Führungsqualität und Arbeitgeberattraktivität: Der Unterschied bei der Weiterempfehlungsrate zwischen gut und mangelhaft bewerteten Managements beträgt fast 90 Prozentpunkte.
Millionenbudgets für Recruiting-Kampagnen, aufwendig gepflegte Karriereseiten, Employer-Branding-Strategien mit langen Laufzeiten – und dann ein Vorgesetzter, der das alles zunichtemacht. Denn kaum ein Faktor beeinflusst, ob Beschäftigte ihren Arbeitgeber empfehlen oder abraten, so stark wie das Verhalten ihrer direkten Führungskraft: Unternehmen mit positiv bewerteten Führungskräften werden laut einer aktuellen kununu Analyse von 96,6 Prozent ihrer Beschäftigten weiterempfohlen. Dort, wo Führung aber schlecht bewertet wird, liegt dieser Wert bei nur 9,3 Prozent.
Grundlage der Auswertung sind rund 354.700 Bewertungen zum Vorgesetztenverhalten aus dem DACH-Raum auf der Bewertungsplattform. Berücksichtigt wurden Unternehmen mit mindestens zehn Bewertungen; als Schwellenwert für gute Führung galten mindestens vier von fünf Sternen, für schlechte Führung maximal zwei.
Das Vorgesetztenverhalten ist damit zugleich der stärkste Treiber der Weiterempfehlung und eine der am schlechtesten bewerteten Kriterien auf der Plattform: Im Schnitt erreicht die Dimension einen Score von 3,5 Punkten. Zum Vergleich: Das Kriterium Gleichberechtigung wird im Durchschnitt mit 3,9 Punkten bewertet.
Die Auswertung zeigt zudem, dass schlechte Führung auch durch andere positive Faktoren kaum ausgeglichen werden kann. In Unternehmen, in denen der Teamzusammenhalt gut bewertet wird, die Führung jedoch schlecht, liegt die Weiterempfehlungsquote dennoch nur bei 19,3 Prozent. Führung wirke sich dabei nicht allein auf die Beziehung zur direkten Vorgesetzten oder zum direkten Vorgesetzten aus, sondern auf die Wahrnehmung des gesamten Unternehmens.
Ein Blick auf die qualitativen Bewertungsdaten macht deutlich, welche Verhaltensweisen jeweils mit guter und schlechter Führung assoziiert werden. In positiv bewerteten Unternehmen dominieren Beschreibungen wie „Mitarbeitenden vertrauen" (93,8 Prozent), „offen und transparent informieren" (90,5 Prozent) und „Mitarbeitende fördern" (92,3 Prozent).
Bei negativ bewerteter Führung ergibt sich ein gegenteiliges Bild: Hier tauchen Formulierungen wie „Mitarbeitende kleinhalten" (84,9 Prozent), „unangemessen kritisieren" (80,7 Prozent) und „jeden Fehler kritisieren" (76,8 Prozent) besonders häufig auf. Schlechte Führung erscheint in den Daten damit als tendenziell hierarchisch, kontrollierend und wenig entwicklungsorientiert.
Derzeit stehen Führungskräfte in vielen Unternehmen unter Druck stehen – durch Restrukturierungen, wirtschaftliche Unsicherheit und den anhaltenden Wettbewerb um Fachkräfte. Für kununu-CEO Nina Zimmermann beschädigt „schlechte Führung nicht nur die Anziehungs- und Bindungsfähigkeit von Arbeitgebern, sondern auch deren organisationale Resilienz. Unternehmen, die vor dem Hintergrund der aktuellen Veränderungs- und Krisenprozesse handlungsfähig bleiben möchten, brauchen eine gute Führungskultur als Grundlage".
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red / PM