Gastbeitrag von Dr. Wibke Jürgensen / iteratec

Warum eine starke Unternehmenskultur gelebte Werte braucht

Unter dem Begriff New Work hat sich in den vergangenen Jahren eine schier unüberschaubare Zahl an Praktiken, Methoden und Strukturen herausgebildet, die ein auf die Mitarbeitenden und deren veränderte Bedürfnisse ausgerichtetes Arbeitsumfeld unterstützen sollen. Was in den meisten Organisationen bei der Diskussion um New Work jedoch oft zu kurz kommt, ist eine ernsthafte inhaltliche Auseinandersetzung mit der dahinterstehenden Unternehmens- bzw. Arbeitsplatzkultur. Denn jenseits der wohlklingenden Floskeln, in die Texte zur Unternehmenskultur meist gekleidet sind, fehlt es meist an konkreten Anhaltspunkten, durch die eine Kultur (er)lebbar wird. Und genau hier kommen die Werte ins Spiel. Richtig angewendet und gelebt, bieten Sie Mitarbeiter*innen Orientierung, dienen als Unterscheidungsmerkmal in Richtung Talente und als Grundlage für bessere unternehmerische Entscheidungen. Was diese Werte eigentlich sind, erklärt Dr. Wibke Jürgensen von unserem NWX22-Sponsor iteratec in ihrem Gastbeitrag.

Werte können nicht ohne Bezug zur Unternehmenskultur gedacht werden. Vielmehr müssen sie diese greifbar, erzählbar und operationalisierbar machen. Nur so bieten sie einen sinnvollen Rahmen für das tägliche Miteinander, geben Mitarbeiter*innen Orientierung und Hilfestellung und stützen sie bei Herausforderungen im Tagesgeschäft.

Um mehr zu sein als nur schöne Worte, müssen sie im absoluten Einklang mit der Unternehmenskultur stehen. Aus diesem Grund können sie nicht „beschlossen“ werden, ohne einen Blick auf die Personen zu werfen, die sie maßgeblich prägen und gestalten – die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Selbst wenn sie nicht im Vorfeld definiert und niedergeschrieben wurden, existieren sie bei jedem Arbeitgeber. Still und heimlich können sie sich durch die alltäglichen Entscheidungen und das Verhalten der Mitarbeiter*innen ziehen. Befasst sich ein Unternehmen allerdings mit ihnen, so werden die Chancen erlebbar, welche durch gelebte Werte entstehen: Sie geben Orientierung und bieten gleichzeitig auch Identifikation, sie prägen die Wahrnehmung von außen und ermöglichen eine Differenzierung von der Konkurrenz.

Leitplanken für das Miteinander

Dabei sollten sie nicht den Status quo abbilden, sondern einen Anspruch formulieren und die Leitplanken bilden, die es für ein vorwärts gerichtetes Miteinander braucht – sei es im Umgang mit den Kolleg*innen, den Kunden, externen Dienstleistern oder dem Kontakt zu Bewerberinnen und Bewerbern. Das passiert nicht ohne jede Hilfe. Stattdessen sind Bemühungen notwendig, um die Werte nicht nur im ersten Schritt zu formulieren, sondern sie auch zu erreichen und zu leben.

Es braucht klare Worte, erlebbare Beispiele und die ständige Begegnung. Wie eine solche Präsenz im Unternehmensalltag erreicht werden kann, zeigt zum Beispiel unser Markenrelaunch im Oktober 2020, als es darum ging, die neu formulierten Werte vorzustellen.

Basierend auf der Ambition "Developing Digital Champions" entstanden drei Wertepaare, die unsere Haltung unseren Stil und unsere Leistung beschreiben sollten. Um sie den Mitarbeiter*innen näher zu bringen wurden sie im Rahmen eines wöchentlichen Livestreams, begleitet von einem Imagefilm vorgestellt und erklärt. Seither entstehen regelmäßig neue und interaktive Kommunikationsformate, um die Bekanntheit der Wertepaare zu steigern und aktuell zu halten.

Die Genossenschaft als Wächter der Unternehmenskultur

Um eine besondere und einzigartig Kultur über die Zeit hinweg zu wahren, reicht Kommunikation allein aber nicht aus. Zusätzlich braucht es einen Rahmen, an welchem sich die Kolleg*innen orientieren können, dessen Aufgabe es auch ist, die Einhaltung der Werte zu erleichtern und mit regelmäßigem Blick deren Gültigkeit zu prüfen.

Die Lösung für diese Herausforderung, bestand für uns in der Gründung einer Genossenschaft – der iteratec nurdemteam eG. Damit eröffnen wir unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Möglichkeit, ein unvergleichliches Mitgestaltung- und Mitspracherecht an der firmeneigenen und besonderen Kultur zu erlangen, indem sie Miteigentümer*innen ihres eigenen Arbeitgebers werden können.

Echte Partizipation und konstruktive Unabhängigkeit

Wie Genossenschaft und Werte in der Praxis zusammenspielen, zeigte sich am Beispiel der Wahl eines neuen Geschäftsführers durch die Mitarbeiter*innen:  Im Dezember 2020 plante iteratec die Erweiterung seiner Geschäftsführung. An der Seite der aktuellen Unternehmensführung sollte ein vierter Geschäftsführer berufen werden.

Richtungsweisende Entscheidungen der Genossenschaft zeigten bereits, wie sich der Wert „konstruktiv unabhängig“ zu sein, im Verhalten widerspiegelt. Dieser drückt aus, dass bei iteratec jede*r Einzelne unternehmerische Verantwortung übernimmt. Somit erfolgte die Entscheidung über die Ernennung durch die Mehrheitsentscheidung der Mitarbeiter*innen. Eine Entscheidung, die zeigt, welche Chance sich durch die Gründung einer Genossenschaft als Nachfolge-Modell bieten: Die einzigartige Möglichkeit für Mitarbeiter*innen, aktiv ihre Arbeitswelt von morgen mitgestalten mitzugestalten und die besondere Kultur auch für nächste Generation zu wahren.