Eine neue Studie der Universität Cambridge warnt: Unternehmenskultur in großen Organisationen ist fragiler als es oft scheint. Ein einziger externer Schock kann reichen, um die Zusammenarbeit zum Erliegen zu bringen.
Reorganisation, Führungswechsel, wirtschaftlicher Druck: Viele Unternehmen stehen gerade unter mehreren Belastungen gleichzeitig. Eine aktuelle Untersuchung der Universität Cambridge* zeigt, wie sich das auch auf die Stabilität ihrer Unternehmenskultur auswirken kann. Denn die sei gerade in komplexen Organisationen keine stabile Hintergrundfolie, sondern eine aktive und fragile Infrastruktur, so das zentrale Argument der Studie. Sie funktioniere wie ein „öffentliches Gut", in das Mitarbeitende freiwillig investieren, aber nur so lange, wie sie den eigenen Beitrag als wirksam erleben. Dieser Mechanismus halte die Kultur aufrecht, bringe Organisationen aber zugleich dauerhaft in die Nähe eines kritischen Schwellenwerts.
Systeme, die knapp oberhalb eines solchen Kipp-Punkts operieren, können bei einer geringfügigen äußeren Störung schlagartig zusammenbrechen. Für Unternehmenskultur bedeute das: Die Fähigkeit zur Zusammenarbeit könne auf null sinken – und das nicht schrittweise, sondern abrupt.
Mit zunehmender Unternehmensgröße sinke der wahrgenommene Einfluss des Einzelnen auf das kollektive Ergebnis. Das Engagement für die gemeinsame Kultur lasse nach, die Organisation rücke näher an die kritische Phase. Externe Schocks – ein Führungswechsel, eine Fusion, eine Entlassungswelle – könnten dann ausreichen, um das System zu destabilisieren. Zusammenarbeit scheitere an Missverständnissen, mangelndem Vertrauen und fehlgeleiteten Anreizen. Unternehmenskultur könne diese Risiken mindern, durch gemeinsame Normen und stabile Erwartungen an das Verhalten der anderen. Voraussetzung sei, dass sie kontinuierlich gepflegt werde.
Führungswechsel werden in der Studie explizit als einer der stärksten kulturellen Schockvektoren benannt. Transparente Kommunikation in solchen Momenten sei deshalb kein nachrangiger Faktor, sondern zentral für die Stabilität der Organisation. Zugleich wachse Unternehmenskultur aus der spezifischen Struktur einer Organisation heraus und verändere sich mit ihr, so die Autoren. Dann könne sogar schnelles Wachstum zum Problem werden.
*Die Studie ist unter diesem Link abrufbar
red