NEW WORK AWARD-Gewinner spaces4future

Freitag, 04. Juni 2021

Sehen so unsere Arbeitsorte von morgen aus?

Die Initiative spaces4future möchte alternative Arbeitsorte aktivieren, um neben den bekannten Arbeitsorten wie Coworking, Corporate Office und Homeoffice neue Arbeitsmöglichkeiten zu schaffen. Damit wirkt sie vielfältigsten ökonomischen, ökologischen und gesellschaftlichen Herausforderungen entgegen – ob nun der Reduzierung von Pendlerverkehr, der sinnvollen Nutzung unwirtschaftlicher Immobilienbestände, Landflucht, der besseren Work-Life-Integration für Alleinerziehende und Menschen, die Angehörige pflegen und und und. Für diese Idee hat das Team im vergangenen Jahr den NEW WORK AWARD in der Kategorie NEW WORK ENABLER verdient den zweiten Platz gewonnen.  spaces4future ist eine Initiative von if5, der Unternehmensberatung für neue Arbeitswelten. Wir sprachen mit ihrem Initiator Bernd Fels über die Idee, Hürden und Erfolge, und New Work.

Kannst Du bitte Eure Initiative hier kurz vorstellen?

Bernd Fels: Hinter der Initiative spaces4future steckt die entscheidende Frage: Warum muss man jeden Tag ins Auto steigen und ins Büro fahren? Das ist weder effektiv noch umweltfreundlich. Daraus entstand die Idee, Orte neu zu denken und damit wesentlich mehr zu erreichen als einen bequemen Arbeitsweg für den einzelnen Menschen. Das heißt, man könnte Homeoffice und Coworking miteinander kombinieren und daraus die Grundlage schaffen für ein Konzept, das wir WorkCommunityHubs nennen. Darunter verstehen wir eine Art Gemeindehaus 2.0, in dem sich Büroflächen und Gemeinschaftsräume, Bürgerservice, Lern- und Fortbildungsmöglichkeiten, Arbeitsagentur, Kinderbetreuung, Vereinsleben, Events u.a. vereinen können. Die lokale Komponente der Hubs sorgt für eine Wiederbelebung der Innenstädte ebenso wie für eine positive Klimabilanz, denn die lange Anfahrt ins Büro entfällt damit künftig. WorCommunityHubs sind Multifunktionsflächen im besten Sinne des Wortes, die alles bündeln können, was wichtig ist im Leben der Nutzerinnen und Nutzer. Tagsüber wird gearbeitet, nachmittags gelernt, abends gefeiert. 

Unsere Aufgabe sehen wir darin, die Akteure für dieses Thema zu sensibilisieren, Ideen zu entwickeln, den Prozess zu moderieren, zu planen und entsprechende Konzepte zu erarbeiten. Letztendlich hängt alles daran, dass die Verantwortlichen der Stadt, die Bürger und auch Investoren von so einem neuartigen Projekt überzeugt sind, um Immobilienbestand oder neue Bauprojekte auf diese zukunftsweisende Form des gemeinsamen Arbeitens auszurichten.

Warum ist Euer Projekt so wichtig? Wo liegt der Mehrwert für die Arbeitswelt? 

Fels: Die neue Arbeitswelt bringt auch gesellschaftlichen Wandel mit sich. Im Homeoffice zu arbeiten, hat sich in der Corona-Krise vielfach schon durchgesetzt und wird langfristig erhalten bleiben. Wir dürfen aber nicht die Augen davor verschließen, dass diese dezentralisierte Form der Arbeit auch Nachteile mit sich bringt, von ergonomischen Problemen bis hin zur sozialen Vereinsamung. Demzufolge brauchen wir einen dritten Ort, wo sich Arbeitende in eine Community einfügen können, wir brauchen Alternativen, die über Corporate Office, Homeoffice und Coworking hinausreichen. Wir haben dafür drei unterschiedliche Layouts definiert:

  • die bereits erwähnten WorkCommunityHubs
  • QuartierHubs: Ganz nach dem Motto „Morgens zusammen arbeiten, abends zusammen netflixen" integrieren Wohnungsbaugesellschaften Arbeitsmöglichkeiten und Coworking in ihre Immobilienentwicklungen
  • NetzwerkHubs: Befreundete Unternehmen öffnen sich gegenseitig die Tür zum Coworking

Letztendlich wollen wir für die Menschen ein Umfeld schaffen, in dem sie gern ihren Job machen. An solchen Gemeinschaftsorten entsteht zwangsläufig Innovation, weil unterschiedliche Leute mit ganz verschiedenen Fähigkeiten zusammenkommen und Wissen miteinander teilen. Sharing Culture und neue Mobilitätskonzepte gehen damit Hand in Hand.

Welche Hürden gibt es bei der Umsetzung Eurer Idee? 

Fels: Wir leisten Pionierarbeit mit unserer Idee von den WorkCommunityHubs. Die Herausforderung besteht darin, dass es diese Formen der Immobiliennutzung am Markt noch gar nicht gibt und daher auch nicht bekannt ist, wie hoch das Potenzial ist, das darin schlummert. Aber wir sind fest davon überzeugt, dass der Bedarf vorhanden ist. Die nächste Hürde wird die Finanzierung. Wir müssen Investoren davon überzeugen, dass da eine starke wirtschaftliche Komponente dahintersteckt. Zunächst denken wir nicht, dass Fördergelder nötig sein werden, aber selbst wenn, gibt es im Bereich Smart City auch Möglichkeiten der Förderung durch das BMI, das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat. 

Was bedeutet New Work für euch?

Fels: Wir leben New Work bei if5 eigentlich schon seit 2011. Arbeitszeit und Arbeitsort können flexibel gewählt werden. Beim Gehalt haben wir sämtliche variablen Komponenten gekappt und bieten dafür ein höheres Fixum. Es gibt keine Urlaubslisten, in die man sich eintragen muss, weil auch hier alles auf Absprache und Vertrauensbasis funktioniert. Alle Arbeitszeitmodelle, ob Teilzeit, Gleitzeit oder Job-Sharing, sind bei uns möglich. Und selbstverständlich gibt es volle Partizipation, die wir mit einem Open-Book-Prinzip garantieren. Flache Hierarchien sind bei den 25 Angestellten, die bei uns arbeiten, einfach zu realisieren.

Wie seid ihr auf den New Work Award aufmerksam geworden? Was bedeutet der Gewinn des NWA für euch?

Fels: Von den Awards wusste ich schon länger, aber ich dachte, dass jetzt mit dem Stand unserer Initiative ein guter Zeitpunkt wäre, sich zu bewerben. Durch die Auszeichnung in der Kategorie New Work Enabler bekommen wir mehr Aufmerksamkeit bei den Entscheidern, die wir ansprechen und für das Projekt begeistern wollen. Und schließlich brauchen wir auch Geldgeber, die an uns glauben, und dabei ist höhere Awareness ebenfalls hilfreich – ob es sich nun um Banken handelt oder um einzelne Investoren bei einem Crowdinvesting.

Wie geht es nach dem NWA weiter – was sind Eure nächsten Schritte?

Fels: Wir hoffen, mit unserer Idee in die Umsetzung zu gehen. Mit mehreren Kommunen sind wir bereits im Gespräch. Konkret ist das leer stehende Gebäude der Galeria Kaufhof in Braunschweig im Gespräch – knapp 30.000 Quadratmeter Grundfläche, die mit neuem Leben gefüllt werden sollen. Da sind wir proaktiv an unterschiedliche Steakholder vom Eigentümer bis zu möglichen Nutzern herangetreten – „einfach mal machen ohne gefragt und beauftragt zu werden“ lautet hier das Motto. Wir werden sehen, ob es tatsächlich was wird. Eine Machbarkeitsstudie für andere Kommunen ist es auf alle Fälle. Unterstützung haben wir vom örtlichen Arbeitgeberverband, einem Staatssekretär aus dem Niedersächsischen Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Digitalisierung, einem Mitglied des Bundestags, der die Themen Innovation und Bildung besetzt sowie Professoren aus dem Bereich der Immobilienwirtschaft und Innovation bereits erhalten. Die Herausforderung besteht darin, dass man sehr viele unterschiedliche Akteure zusammenbringen muss, um auch mit potenziellen Nutzern ein Paket zu schnüren, das letztendlich eine multifunktionale Nutzung garantiert.

Eure 3 Top-Tipps für alle, die die Arbeitswelt von morgen mitgestalten möchten?

  1. Selbst vorleben. Egal, was Ihr anstrebt oder welche Position Ihr vertretet, achtet darauf, dass Ihr stets authentisch bleibt und Eure Ideale vorlebt. 
  2. Kämpft für Eure Sache. Wenn Ihr überzeugt seid von dem, was Ihr tut, dann setzt Euch voll dafür ein.
  3. Networking. Tauscht Euch in Netzwerken aus, denn wenn Ihr allein Eure Projekte vorantreiben wollt, ist das wie ein Kampf gegen Windmühlenflügel.

*Der NEW WORK AWARD geht in die nächste Runde - ab sofort sind Bewerbungen in den Kategorien NEW WORKER:IN, NEW WORK TEAMS und ZUKUNFTSWÜRFE möglich. Zusätzlich wird zum ersten Mal der NEW WORK PUBLIKUMSAWARD vergeben, in Kooperation mit der Plattform story.one auf der ganz persönliche New Work-Geschichten veröffentlicht werden können. Mehr Infos zum AWARD, den einzelnen Kategorien und den Bewerbungsmodalitäten gibt es auf dieser Spezialseite.