Es ist ein Dämpfer inmitten des Hypes: Die großen Erwartungen vieler Unternehmen in die gewinnbringenden Effekte von Künstlicher Intelligenz haben sich noch nicht erfüllt. Eine internationale Umfrage unter CEOs zeigt, dass mehr als die Hälfte Firmen aus ihren KI-Investitionen keinen messbaren Nutzen zieht. Gleichzeitig klagen viele Führungskräfte über den Druck, Transformation und Tagesgeschäft parallel zu steuern.
Trotz hoher Erwartungen und steigender Investitionen bleibt der wirtschaftliche Effekt von Künstlicher Intelligenz in vielen Unternehmen überschaubar. Das zeigt eine aktuelle Studie des Beratungsunternehmens PricewaterhouseCoopers (PwC), für die 4.454 Vorstandsvorsitzende und Geschäftsführer aus 95 Ländern befragt wurden. Demnach geben 56 Prozent der CEOs an, in den vergangenen zwölf Monaten weder Umsatzsteigerungen noch Kostensenkungen durch KI-Initiativen erzielt zu haben.
Nur eine kleine Gruppe profitiert bislang messbar von der Technologie: Rund zehn bis zwölf Prozent der Befragten berichten, dass KI sowohl zu höheren Umsätzen als auch zu geringeren Kosten geführt habe. Der Großteil der Unternehmen bewegt sich dagegen weiter in einer Phase des Experimentierens, ohne dass sich die Investitionen bereits in den Geschäftszahlen niederschlagen.
PwC-Global-Chairman Mohamed Kande machte auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos deutlich, dass das Problem weniger im Potenzial der Technologie liege als in ihrer Umsetzung. „Everybody’s going for it“, sagte er mit Blick auf den KI-Boom – aber gleichzeitig fehle es in vielen Unternehmen an grundlegenden Voraussetzungen wie sauberen Daten, klaren Prozessen und wirksamer Steuerung. Mehr als 50 Prozent der Firmen würden daher aktuell „nichts“ aus ihren KI-Investitionen herausholen.
Die PwC-Studie zeigt zudem, dass KI bislang vor allem punktuell eingesetzt wird. Selbst in Bereichen, die sich besonders für Automatisierung und datenbasierte Optimierung eignen, ist der Einsatz begrenzt: Nur 22 Prozent der Unternehmen nutzen KI in größerem Umfang zur Nachfragegenerierung, 20 Prozent im Kundenservice und 19 Prozent in der Produktentwicklung. Damit belegt die Umfrage eine aktuelle Untersuchung des Massachusetts Institute of Technology (MIT) nach der tiefgreifende Veränderungen durch die KI-Integration bislang nur in wenigen Branchen erkennbar seien.
Parallel dazu sinkt die Zuversicht der Unternehmenslenker insgesamt. Nur noch 30 Prozent der CEOs geben an, sehr oder äußerst zuversichtlich zu sein, im kommenden Jahr ein Umsatzwachstum zu erzielen, das ist der der niedrigste Wert seit fünf Jahren. Geopolitische Unsicherheiten, wirtschaftliche Risiken und wachsende Cyberbedrohungen verstärken den Druck zusätzlich.
red